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Sardinien

Sardinien: Eine steile Abkürzung

Wir fuhren eine schöne Offroadstrecke. Man fühlte sich wie im Urwald. „Wir sind schnell durch, es ist eine Abkürzung, dauert nur eine Stunde“, sagte Lukas. Leider waren viele Wege versperrt und das hätten wir bereits als Zeichen interpretieren sollen, in denen es hieß: Abbrechen! Nun ja, wir wollten es wissen. Auf dem Weg haben wir unser Kennzeichen verloren und mussten umkehren. In stachligen Gebüschen fanden wir das Schild zum Glück wieder. Nachdem wir auf unserer Abkürzung bereits mehrere Stunden ohne Erfolg unterwegs waren, war ich irgendwann bisschen genervt und sehr hungrig. Nach dem Croissant in der Früh war es Zeit für Abendessen.

Irgendwann sagte ich: „Lukas, lass uns bitten den Weg, den wir gefahren sind wieder zurückfahren. Es wird in einer Stunde dunkel.“ Lukas meinte darauf hin: „Bitte lass uns diesen einen Weg noch probieren, der sieht gut befahren aus“. „Ich bin grundsätzlich dagegen, aber wenn du unbedingt willst, okay.“ Er freute sich und wir fuhren weiter.

Der Weg war tatsächlich gut befahren. Trotzdem hatte ich irgendwie ein ungutes Gefühl bei dem Ganzen. Ich war mir unsicher ob die Gebiete, die wir umfahren, erlaubt sind. Zwar ist die Strecke gut befahrbar, aber die vielen Sperrungen waren bestimmt nicht nur für Tiere gedacht.

Die Sonne ging unter und wir fuhren durch Schotter und grobes Gestein die Berge runter. Tief runter. Blöderweise sind wir es nicht abgelaufen, wie sonst. Der Hunger, das verschwinden der Sonne und die Zuversicht endlich einen Ausweg zu finden, trieben uns immer weiter runter. Runter bis zur nächsten Sperrung! „Die Barriere mach ich jetzt auf, mir egal!“, sagte er. Leider war das ein fettes Schloss, welches man nur mit einem Bolzenschneider knacken hätte können. Für nächste mal (haha) wissen wir’s. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, der Weg war doppelt gesichert. Auch wenn wir die Sperrung aufgebracht hätten, wären wir dann vor dem nächsten Tor gestanden und das mitten auf einer Autobahnstraße.

Es war neun Uhr abends und wir wendeten. Es gab noch einen Weg. Lukas ist ihn diesmal abgelaufen, aber leider war auch dieser gesperrt. Dann müssen wir wohl wieder hoch. Wir haben noch mehr Luft abgelassen. Zwei mal versuchten wir den Berg mit einer Steigung 23% bei losem Gestein und Schotter hochzufahren. Leider ohne Erfolg. Durch das schnelle Anfahren wirbelten wir viel Staub auf, dass beim Rückwärtsfahren die Sicht nach hinten versperrte. Wir fuhren gegen die Wand aus Erde und Gestein, die kurvig war. Grundsätzlich kein Stress und das Auto ist für jeden Spaß zu haben. Problematisch war es daher, dass es in einer Steigung passiert ist und wir nicht einfach vorfahren konnten. Sparten her und graben ist angesagt. Also schaufelten wir Hugo aus der Wand. So das war’s für heute, morgen ist auch noch ein Tag. Nun mussten wir noch einen Stellplatz suchen. Wir fanden ein Grundstück mit einem nicht fertigbebauten Haus. Perfekt eben und gut zum Übernachten.

Lukas tat es leid, dass er umbedingt einen Ausweg finden wollte, obwohl ich bereits abgebrochen hätte. Aber gut, nun waren wir zusammen in der Situation und müssen einen Ausweg finden.

Ich bereitete uns was zu Essen vor und war sicher, dass am nächsten Tag die Welt wieder in Ordnung sein wird.

Der nächste Tag

Am nächsten Tag wollte Lukas runter laufen auf die Straße und bei den Häusern um Hilfe bitten. Ich meinte nur: „ Ich würde zum Bauern hochlaufen, auch wenn da die bellenden Hunde sind. Da habe ich ein besseres Gefühl“. Tatsächlich standen wir zwei Kilometer zum nächsten Bauern entfernt. Auf dem Weg hat Lukas uns mit zwei Stöcken vorsichtshalber ausgestattet, um die Hüttehunde zu verjagen. Ehrlich gesagt musste ich die ganze Zeit über uns einfach lachen, wie verrückt dieser ganze Urlaub bis jetzt ist. Lukas hatte bedenken wegen einer Strafe, dass wir im Naturschutzgebiet rumfahren. Ich machte mir darüber keine Gedanken. Die Menschen hier sind nett und mit einem charmanten Lächeln kommt man immer durch.

Wir sichteten ein Auto und standen vor den Bauernhof. Wir hatten Internetempfang und ließen im Internet unsere „Hilfsnachricht“ auf italienisch übersetzen. Lukas ging vor und ich ihm hinterher. Die Hunde witterten uns bereits vom weiten. Allerdings kein Mensch weit und breit. Na toll, wie beruhigend. Irgendwann kamen noch mehr Hunde dazu und wir standen vor ihnen. Langsam tasteten wir uns vor. Die Hunde bellten, gingen uns aber aus dem Weg, allerdings kamen sie dann von hinten zu mir. Suuuuuuper! Wir sichteten den Bauern bei seinen Ziegen im Stall und winkten ihm.

Salvatore hieß er, war groß, stark, ca. 35 Jahre alt und hatte ein kleines Bäuchlein. Ich musste lachen und er lächelte zurück. „Ciao“ sagten wir und er grüßte zurück. Er kam auf uns zu und wir hielten ihm unser Handy hin. Er versuchte mit uns zu kommunizieren, allerdings haben wir kein Wort verstanden. Lukas nickte oft und ich fragte mich, wieso er nickt :D. Dann die Idee, wir ruften unsere italienische Freundin an, die spontan per Telefon unsere Notsituation dem Bauern übersetzte.

Der Bauer hat nicht verstanden wie man mit einem 4×4 einen Berg runter aber nicht mehr hochkommt. Er war verwirrt, bis wir ihm ein Bild von unserem Auto zeigten und er machte nur ein verzogenes Gesicht. Ich musste lachen. Er zeigte mir ein Symbol mit den Händen vom „schwimmen“, nach dem Motto: Normale Touristen schwimmen im Meer und fahren hier nicht rum. Recht hatte er, normal können wir nicht.

Salvatore rufte den Förster an und dieser ging nicht ans Telefon. Also lud er uns in seine Hütte zum Café ein. Na gut, dann folgen wir ihm unauffällig. Wir tranken einen Kaffee unterhielten uns etwas mit Händen und Füßen.

Salvatore kam mit seinem 4×4 Fahrzeug. Wir stiegen beide vorne ein und hinten seine beiden Jungs. Locker fuhren wir zu fünft die Piste zu unserem Auto entlang. Angekommen setzte Salvatore sich in unseren Hugo und schaute sich das genauer an. Was er genau sagte oder sich dachte, bleibt ein Rätsel. Er sagte uns, fahrt zur Barriere, da kommt der Förster, er sperrt euch auf. Später können wir nochmal auf einen Café vorbeikommen, wenn wir diesmal von der anderen Seite fahren, sagte er. Wir haben ihm Bier angeboten, aber er lehnte ab. So fuhren wir zum Tor. Der Förster kam mit seinem neuen Panda 4×4 und sperrte uns auf. Wir waren frei. Beim nächstgelegenen Strand machten wir es uns gemütlich und lachten über uns beide.

Die Devise, die wir seit Marokko aufgestellt haben, sollte auch beherzigt werden. Wenn einer auf der Piste „nein“ sagt, dann macht der andere keine Widerrede und wir lassen es bleiben. Wir beide bringen uns sonst in Gefahr. Aber zugegeben ist dies nun ausgeglichen, da ich damals in Marokko davon überzeugt war mit Hugo durchs tiefe Wasser durchfahren zu wollen, obwohl Lukas nein sagte. Es endet dabei, dass uns Marokkaner halfen Hugo aus dem Schlamassel zu holen. Nun ja, Ende gut, alles gut.

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